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Korbinian HermannMar 18, 2026 4:17:12 PM14 min read

GAIA-X & Datenräume: Was Produktionsunternehmen wissen müssen

GAIA-X. Manufacturing-X. Catena-X. Der EU Data Act. Wer diese Begriffe 2026 noch für akademische Konzepte ohne Praxisrelevanz hält, wird in den nächsten 24 Monaten unangenehm überrascht. Die europäische Datenindustrie bewegt sich – und sie bewegt sich schneller als die meisten Produktionsbetriebe ahnen.

Die eigentliche Frage ist nicht: 'Was ist GAIA-X?' Die eigentliche Frage ist: 'Was bedeutet das für mein Unternehmen – und was muss ich jetzt tun?' Während Großkonzerne Catena-X-Piloten fahren und Manufacturing-X-Konsortien bilden, stehen mittelständische Produktionsbetriebe vor der Frage: Bin ich betroffen? Wann? Womit fange ich an?

Dieser Artikel beantwortet diese Fragen. Ohne Buzzword-Bingo. Mit konkreten Einordnungen für Fertigungs- und Produktionsbetriebe in der DACH-Region.

DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

  • GAIA-X ist keine Plattform, die man kaufen kann – es ist eine europäische Governance-Initiative für souveräne Datenräume. Datenräume ermöglichen den kontrollierten Datenaustausch zwischen Unternehmen, ohne dass der Datenanbieter die Hoheit über seine Daten verliert.

  • Für Produktionsbetriebe relevante Datenräume: Catena-X (Automotive), Manufacturing-X (diskrete Fertigung), Cofinity-X (Supply Chain). Diese sind kein freiwilliger Opt-in mehr – OEMs und Tier-1-Zulieferer setzen die Teilnahme als Lieferantenbedingung.

  • Der EU Data Act (in Kraft seit September 2025) schafft gesetzliche Datenteilungspflichten für Hersteller vernetzter Maschinen und IoT-Geräte. Wer solche Produkte baut oder betreibt, ist jetzt betroffen.

  • Die technische Voraussetzung für jeden Datenraum-Anschluss: strukturierte, abrufbare Daten – auch aus Legacy-Systemen. Wer seine historischen Produktionsdaten nicht im Griff hat, wird kein Datenraum-Teilnehmer.

KURZ ZUSAMMENGEFASST

  • GAIA-X ist die Infrastruktur. Datenräume sind die Anwendung. Der Data Act ist das Gesetz. Alle drei betreffen Produktionsbetriebe – aber mit unterschiedlichen Zeithorizonten und Prioritäten.
  • Wer Zulieferer in der Automotive-, Maschinen- oder Chemieindustrie ist, wird spätestens 2026/27 von OEMs zur Catena-X- oder Manufacturing-X-Teilnahme aufgefordert.
  • Die größte Hausaufgabe ist keine Technologiefrage – es ist Datenhygiene. Wer nicht weiß, welche Produktionsdaten er hat, wo sie liegen und wie er sie abruft, kann keine Datenraum-Anbindung aufbauen.

 

Was sind Datenräume – und warum jetzt?

Ein Datenraum ist eine Infrastruktur, die es Unternehmen ermöglicht, Daten mit anderen Teilnehmern zu teilen – unter der Bedingung, dass sie die Hoheit über ihre Daten behalten. Das klingt simpel. Der Unterschied zu bisherigen Datenaustausch-Modellen ist fundamental.

Bisher: Wenn Unternehmen A seine Produktionsdaten an Unternehmen B weitergeben wollte, exportierte es eine Datei per E-Mail oder API. Einmal übergeben, hatte A keine Kontrolle mehr darüber, was B damit macht. Im Datenraum: A definiert, wer welche Daten unter welchen Bedingungen abrufen darf. Die Daten bleiben in A's Infrastruktur. B bekommt Zugriff – aber keine unkontrollierte Kopie.

Sep. 2025

EU Data Act in Kraft

EUR-Lex Verordnung (EU) 2023/2854

700+

GAIA-X-Mitglieder weltweit

GAIA-X AISBL, Stand 2025

200+

Catena-X-Teilnehmer

Catena-X e.V., Stand 2025

2027

Manufacturing-X Breitenrollout

Plattform Industrie 4.0


Die drei Treiber, die Datenräume 2025/26 geschäftskritisch machen

Erstens der regulatorische Druck: Der EU Data Act schafft erstmals gesetzliche Datenteilungspflichten für Hersteller vernetzter Produkte – seit September 2025 in Kraft. Zweitens der Marktdruck: OEMs in der Automotive-Industrie und Großabnehmer in der Prozessindustrie fordern von ihren Lieferanten die Fähigkeit zur Datenraum-Anbindung als Bedingung für die Lieferantenqualifizierung. Drittens die technologische Reife: GAIA-X-konforme Konnektoren und Datenraum-Protokolle sind 2025 produktionsreif.

Das Zusammentreffen dieser drei Treiber macht den Unterschied zwischen 'akademisch interessant' und 'Handlungsbedarf'. Für mittelständische Produktionsbetriebe in der DACH-Region ist der Übergang von Letzterem bereits im Gang.

2021

GAIA-X gegründet

Initiative Frankreich/Deutschland

2022

IDSA Standard v1

Erster offener Konnektor-Standard

2023

Catena-X live

Erster produktiver Datenraum

2024

Cofinity-X Start

Managed Service für KMU

Sep. 2025

EU Data Act

Datenteilungspflichten in Kraft

2026/27

Mfg-X Rollout

Manufacturing-X Breiteneinführung

 

GAIA-X: Was es ist – und was es nicht ist

Das häufigste Missverständnis zuerst: GAIA-X ist keine Cloud-Plattform, keine Software und kein Produkt, das man kaufen oder abonnieren kann. GAIA-X ist eine europäische Initiative zur Schaffung eines gemeinsamen Regelwerks für vertrauenswürdige Dateninfrastrukturen.

Konkret: GAIA-X definiert Standards, Zertifizierungsanforderungen und technische Protokolle, die sicherstellen, dass Datenräume und Cloud-Dienste in Europa nach einheitlichen Souveränitäts- und Interoperabilitätsregeln betrieben werden. Wer eine GAIA-X-konforme Infrastruktur betreibt, erfüllt diese Standards.

EBENE 4

Governance & Standards

GAIA-X AISBL & Labelling

Regelwerk, Zertifizierung und Compliance-Anforderungen für alle GAIA-X-konformen Dienste. Grundlage für Vertrauen zwischen Teilnehmern.

EBENE 3

Datenraum-Infrastruktur

IDSA / Eclipse DSP / EDC

Technische Protokolle für Datenraum-Konnektoren (Eclipse Dataspace Connector), Identitätsmanagement und Zugriffsverhandlung zwischen Teilnehmern.

EBENE 2

Industrie-Datenräume

Catena-X · Manufacturing-X · Cofinity-X

Branchenspezifische Datenräume auf GAIA-X-Basis. Jeder Datenraum hat eigene Governance, Datenobjekte und Teilnahmebedingungen.

EBENE 1

Unternehmens-Anwendungen

Use Cases & Business Apps

Konkrete Anwendungsfälle: Traceability, CO₂-Footprint, Predictive Maintenance, Qualitätsdaten-Sharing entlang der Lieferkette.

WAS GAIA-X NICHT IST – DIE HÄUFIGSTEN MISSVERSTÄNDNISSE

✗ GAIA-X ist kein europäisches AWS oder Azure – es ist keine Cloud-Plattform, die man buchen kann.

✗ GAIA-X ist kein fertiges Produkt – es ist eine laufende Initiative mit zunehmend produktionsreifen Teilprojekten.

✗ GAIA-X ist nicht optional für OEM-Zulieferer – Catena-X-Teilnahme wird von Automotive-OEMs als Lieferantenbedingung gesetzt.

✗ GAIA-X ist nicht nur etwas für IT-Abteilungen – die Frage 'Welche Daten teilen wir mit wem?' ist eine Managemententscheidung.

✓ GAIA-X ist das Regelwerk, auf dem Catena-X, Manufacturing-X und andere Industrie-Datenräume aufgebaut sind.

 

Die wichtigsten Industrie-Datenräume für Produktionsbetriebe

GAIA-X als Fundament trägt mehrere branchenspezifische Datenräume, die für Produktionsbetriebe in Deutschland direkt relevant sind.

CX

Produktiov ab 2024

AUTOMOTIVE / ZULIEFERER

Catena-X Automotive Network

Ziel: Standardisierter Datenaustausch entlang der Automotive-Lieferkette – von OEM bis Tier-n. Fokus: Traceability, CO₂-Footprint, Qualitätsdaten, Produktpass.

Teilnehmer: BMW, Mercedes-Benz, VW, BASF, Bosch, Continental, SAP + 200 weitere

Welche Daten werden geteilt

  • Teiletraceability und Chargenverfolgung
  • CO₂-Fußabdruck entlang der Supply Chain
  • Qualitätsdaten-Sharing (Schraubdaten, Prüfergebnisse)
  • Produktlebenszyklus-Daten (DPP)

Relevanz für Produktionsbetriebe

Sehr hoch. OEMs setzen Catena-X als Lieferantenbedingung. Tier-1-Druck auf Tier-2 und Tier-3 wächst 2026/27.



MFG-X

PILOTEN 2025–26

DISKRETE FERTIGUNG & PROZESSINDUSTRIE

 

Manufacturing-X

Ziel: Branchenübergreifender Datenraum für Maschinenbau, Elektroindustrie und Prozessautomation. Fokus: Maschinendaten, Betriebsmonitoring, Wartungsoptimierung.

Teilnehmer: VDMA, ZVEI, Plattform Industrie 4.0, BMWi-Konsortium

Welche Daten werden geteilt

  • Maschinenzustands- und Betriebsdaten
  • Wartungs- und Instandhaltungshistorien
  • Prozessparameter und Rezepturdaten
  • Energie- und Ressourcenverbrauch

Relevanz für Produktionsbetriebe

Hoch für Maschinenbauer und Anlagenbetreiber. Pilotbetrieb 2025, Breitenrollout ab 2027.



CFX

OPERATIV AB 2024

SUPPLY CHAIN / MULTI-INDUSTRIE


Cofinity-X

Ziel: Gemeinsames Betreibermodell für Catena-X und andere Datenräume. Onboarding, Identity-Management und Marktplatz als Managed Service für KMU.

Teilnehmer: BMW, Mercedes-Benz, VW, ZF, Bosch + weitere OEMs als Gründungsgesellschafter

Welche Daten werden geteilt

  • Datenraum-Onboarding als Managed Service
  • Zertifizierter Identity Provider
  • Marktplatz für Catena-X-Apps
  • KMU-Einstiegspfad ohne eigene Infrastruktur

Relevanz für Produktionsbetriebe

Mittel bis hoch. Empfohlener Einstiegspfad für KMU ohne eigene GAIA-X-Infrastruktur.



 

EU Data Act: Was seit September 2025 für Produktionsbetriebe gilt

Der EU Data Act ist seit dem 12. September 2025 in Kraft. Er ist das schärfste Instrument des europäischen Datenrechts seit der DSGVO und schafft erstmals gesetzliche Datenteilungspflichten – nicht nur Datenschutzregeln, sondern Datenansprüche Dritter auf Daten, die Unternehmen erzeugen.

 

Die Kernpflicht: Datenzugang für Nutzer vernetzter Produkte

Wer vernetzte Produkte oder Maschinen herstellt oder in Verkehr bringt, ist verpflichtet, den Nutzern dieser Produkte Zugang zu den generierten Daten zu ermöglichen. Das betrifft nicht nur Consumer-Produkte – es betrifft industrielle Maschinen, IoT-fähige Fertigungsanlagen, smarte Werkzeuge, Fahrzeuge und medizinische Geräte.

Konkret: Wenn eine Produktionsanlage Sensordaten erzeugt und der Betreiber diese Daten abrufen möchte – auch über einen Drittanbieter für Wartungsdienstleistungen –, hat er einen gesetzlichen Anspruch darauf. Der Maschinenhersteller kann diesen Anspruch nicht mehr durch proprietäre Datensilos blockieren.

Maschinenhersteller(IoT / vernetzte Geräte)

Anlagenbetreiber(Produktion & Fertigung)

Drittanbieter(Wartung, Analytics)

Kernpflichten ab Inkrafttreten:

  • Datenzugang für Nutzer ermöglichen
  • Daten in maschinenlesbarem Format bereitstellen
  • Keine Exklusivität auf erzeugte Daten
  • Drittanbieter-Zugang nicht blockieren
  • Vertragsklauseln standardisieren

Kernpflichten ab Inkrafttreten:

  • Datenzugangsrecht aktiv einfordern
  • Daten von Herstellern abrufen können
  • Drittanbieter mit Daten beauftragen
  • Portabilität von Maschinendaten nutzen
  • Daten nicht wettbewerbsschädigend nutzen

Kernpflichten ab Inkrafttreten:

  • Daten nur für vereinbarten Zweck nutzen
  • Keine unkontrollierte Weitergabe
  • Datensicherheit gewährleisten
  • Vertrag mit Dateninhaber erforderlich
  • Löschpflicht nach Zweckerfüllung

Ab: 12. September 2025

Sanktion: bis 4 % weltweiter Jahresumsatz

Ab: 12. September 2025

Sanktion: keine direkten Bußgelder (Rechtsdurchsetzung)

Ab: 12. September 2025

Sanktion: bis 2 % weltweiter Jahresumsatz

WAS DER EU DATA ACT NICHT REGELT – WICHTIGE ABGRENZUNGEN

Der Data Act gilt nicht für rein interne Prozessdaten ohne Nutzerbezug – Produktionsdaten, die kein vernetztes Endprodukt betreffen, fallen nicht unter die Datenteilungspflicht.

Der Data Act gilt nicht rückwirkend für Produkte, die vor September 2025 in Verkehr gebracht wurden – aber Neuprodukte und wesentliche Updates ab diesem Datum sind erfasst.

Der Data Act ersetzt die DSGVO nicht – beide gelten parallel. Der Data Act schafft Datenteilungspflichten, die DSGVO definiert Schutzpflichten für personenbezogene Daten.

Der Data Act enthält KMU-Erleichterungen: Unternehmen unter 50 MA und 10 Mio. € Umsatz sind von bestimmten Datenteilungspflichten ausgenommen – nicht jedoch von Kundenforderungen.

 

Relevanz-Check: Bin ich als Produktionsbetrieb betroffen?

Nicht jeder Produktionsbetrieb ist gleich stark betroffen. Der folgende Check hilft, die eigene Situation einzuordnen. Je mehr Ja-Antworten, desto dringender der Handlungsbedarf.

Frage

Ja

Nein

Ihre Handlungsoption

Liefern Sie an Automotive-OEMs oder Tier-1-Zulieferer?

● Jetzt

○ Monitor

Catena-X-Anbindung als Lieferantenbedingung wahrscheinlich

Bauen oder verkaufen Sie vernetzte Maschinen / IoT-Geräte?

● Jetzt

○ Prüfen

EU Data Act Datenzugangspflichten seit Sep. 2025 aktiv

Haben Lieferanten Daten über Ihre Produktion?

● Einfordern

○ Monitor

Data Act gibt Ihnen Anspruch auf diese Daten

Liegt Ihr Energiebedarf über 100 kW industriell?

● Relevant

○ Monitor

GX4FE Datenraum für Energieoptimierung relevant

Sind Ihre historischen Produktionsdaten strukturiert abrufbar?

○ Gut

● Aufholen

Ohne Datenbasis keine Datenraum-Anbindung möglich

Laufen Legacy-Systeme nur noch für den Archivzugriff?

● Abhängig

○ Stabil

Legacy-Lock blockiert Datenraum-Readiness direkt

Mehr als 50 MA und > 10 Mio. € Umsatz?

● Betroffen

○ KMU-Ausn.

Unter diesen Schwellen: Data-Act-KMU-Ausnahmen prüfen

Ist CO₂-Reporting ein Kunden- oder Regulierungswunsch?

● Jetzt

○ Monitor

Catena-X PCF (Product Carbon Footprint) wird Pflicht

Auswertung:
  • 1–2 ●-Antworten → Beobachtungsphase, kein akuter Handlungsdruck.

  • 3–5 ●-Antworten → Strategische Vorbereitung empfohlen,

  • Datenbasis prüfen. 6–8 ●-Antworten → Hoher Handlungsdruck, Datenraum-Readiness als Projekt definieren.

Die Frage ist nicht ob, sondern wann Datenräume für Ihren Betrieb geschäftskritisch werden. Wer heute die Datenbasis nicht aufräumt, wird in zwei Jahren keine Zeit mehr haben.

— Korbinian Hermann Geschäftsführer, CSP Intelligence GmbH

 

Technische Voraussetzungen für Datenraum-Teilnahme

Bevor ein Unternehmen einem Datenraum beitritt, muss es eine Grundvoraussetzung erfüllen, die erstaunlich viele Betriebe nicht erfüllen: Es muss wissen, welche Daten es hat, wo sie liegen und wie es sie strukturiert abrufen kann. Das klingt trivial. Es ist es nicht.

In der Praxis liegen Produktionsdaten verteilt über ERP, MES, Qualitätssysteme und Legacy-Datenbanken – teils in abgekündigten Systemen, teils in proprietären Formaten, teils nur über IT-Tickets zugänglich. Eine Datenraum-Anbindung erfordert das Gegenteil: strukturierte, maschinenlesbare, abrufbare Daten in einem Format, das ein Datenraum-Konnektor verarbeiten kann.

Voraussetzung

Warum notwendig

Typischer Ist-Zustand

Was zu tun ist

Strukturierte Datenhaltung

Konnektoren brauchen maschinenlesbare Daten

Verteilt über ERP, MES, Legacy in verschiedenen Formaten

Datenkatalog erstellen, Struktur harmonisieren

Herstellerunabh. Format

Datenräume nutzen offene Standards (JSON-LD, BAMM)

Daten in proprietären Herstellerformaten gesperrt

Migration in offene Formate, Legacy-Daten extrahieren

Daten-Governance

Wer darf welche Daten mit wem teilen?

Keine dokumentierte Sharing-Policy vorhanden

Daten-Ownership definieren, Policy dokumentieren

Technischer Konnektor

Eclipse Dataspace Connector (EDC) oder gleichwertig

Kein Konnektor vorhanden

EDC implementieren oder Cofinity-X Managed Service nutzen

Digitale Identität

Zertifizierte Identität für Datenraum-Teilnahme

Keine GAIA-X-konforme Identität

Bei GAIA-X-Lab oder Cofinity-X registrieren

Historische Daten abrufbar

Datenräume fordern auch Rückwärts-Traceability

Archivdaten in Legacy-Systemen ohne Self-Service

Archivlösung mit Self-Service-Zugriff implementieren

 

 

Was Produktionsbetriebe jetzt konkret tun sollten

Die gute Nachricht: Man muss heute kein GAIA-X-Mitglied werden. Die schlechte Nachricht: Die Hausaufgaben, die eine Datenraum-Teilnahme später ermöglichen, brauchen Zeit. Wer jetzt beginnt, hat in zwei Jahren einen Vorsprung. Wer wartet, holt unter Zeitdruck auf.

Sofortmaßnahmen (0–3 Monate)

  • Datenkatalog erstellen: Welche Systeme erzeugen welche Produktionsdaten? Wo liegen sie? Wer hat Zugriff?
  • Kundenbefragung: Fordern aktuelle Großkunden oder OEMs bereits Datenraum-Fähigkeit oder Catena-X-Anbindung?
  • EU Data Act Betroffenheitsanalyse: Fallen eigene Produkte unter den Data Act (vernetzte Maschinen, IoT)?

Mittelfristige Maßnahmen (3–12 Monate)

  • Datenbasis aufräumen: Legacy-Daten in herstellerunabhängige Formate migrieren. Historische Produktionsdaten archivieren und strukturiert zugänglich machen.
  • Daten-Governance etablieren: Daten-Ownership pro Kategorie definieren. Sharing-Policy dokumentieren. Schnittmengen mit DSGVO klären.
  • Catena-X-Vorbereitung für Automotive-Zulieferer: Cofinity-X-Onboarding prüfen. Use-Case-Priorität festlegen (Traceability, Product Carbon Footprint, Qualität).
  • Technischen Konnektor evaluieren: Eigenimplementierung EDC oder Managed Service? Für KMU empfiehlt sich der Cofinity-X-Ansatz.

Strategische Maßnahmen (12–24 Monate)

  • Datenraum-Anbindung pilotieren: Einen Use Case live nehmen – Traceability oder CO₂-Footprint sind typische Einstiege.
  • Geschäftsmodell-Potenziale prüfen: Können eigene Maschinendaten Mehrwert für Kunden erzeugen? Predictive-Maintenance-as-a-Service?
  • Compliance-Monitoring einrichten: EU Data Act und GAIA-X-Zertifizierungsanforderungen entwickeln sich weiter – wer nicht beobachtet, verliert den Anschluss.

 

 

CHRONOS: Datenarchiv als Fundament für Datenraum-Readiness

Jede Datenraum-Anbindung beginnt mit einer funktionierenden Datenbasis. CHRONOS archiviert Produktionsdaten, Legacy-Systemdaten und Qualitätsdaten revisionssicher, herstellerunabhängig und strukturiert abrufbar – und schafft damit die Grundlage, die Datenräume und der EU Data Act voraussetzen.

  • Herstellerunabhängiges Format: Daten aus Oracle, SAP, MES, SQL – abrufbar ohne proprietäre Software
  • Application Retirement: Legacy-Systeme abschalten, Daten bleiben strukturiert zugänglich – Grundvoraussetzung für Konnektor-Anbindung
  • Self-Service-Zugriff: Produktionsdaten sofort abrufbar – für internen Bedarf und als Vorbereitung für externen Datenaustausch
  • Revisionssicher und GoBD-konform: Compliance-Basis für alle Datenteilungspflichten nach Data Act und GAIA-X

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Häufig gestellte Fragen 

 

Muss mein Unternehmen GAIA-X-Mitglied werden? Nein. Eine direkte GAIA-X-Mitgliedschaft ist für die meisten Produktionsbetriebe nicht notwendig. Relevant ist die Teilnahme an branchenspezifischen Datenräumen wie Catena-X oder Manufacturing-X – und diese setzt keine direkte GAIA-X-Mitgliedschaft voraus. Wer über Cofinity-X als Managed Service onboarded, erhält eine GAIA-X-konforme digitale Identität ohne eigene Infrastruktur.
Was ist der Unterschied zwischen GAIA-X und Catena-X? GAIA-X ist das Regelwerk und die Governance-Initiative. Catena-X ist ein spezifischer Industrie-Datenraum für die Automotive-Lieferkette, der auf GAIA-X-Prinzipien aufgebaut ist. Die Analogie: GAIA-X ist das Internetprotokoll, Catena-X ist eine Anwendung darauf. Man kann Catena-X nutzen, ohne GAIA-X im Detail zu verstehen – so wie man E-Mail nutzt, ohne TCP/IP zu kennen.
Gilt der EU Data Act auch für KMU? Der EU Data Act enthält explizite Erleichterungen für KMU. Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitenden und weniger als 10 Millionen Euro Jahresumsatz sind von bestimmten Datenteilungspflichten ausgenommen. Allerdings gilt diese Ausnahme nicht für faktische Kundenforderungen: Als Zulieferer in Lieferketten, in denen Kunden Datenzugang einfordern, können auch kleinere Unternehmen betroffen sein. Die Data Act Checklist hilft, die eigene Situation zu klären.
Was ist ein digitaler Produktpass – und bin ich betroffen? Der digitale Produktpass (DPP) verknüpft Produkte mit einem maschinenlesbaren Datensatz über ihren gesamten Lebenszyklus – Materialien, Herstellung, Reparierbarkeit, Recycling. Die EU Battery Regulation macht den digitalen Batteriepass ab 2027 verpflichtend. Für Komponentenhersteller bedeutet das: Produktionsdaten müssen in einem Format bereitstehen, das in den Produktpass des Kunden einfließen kann – eine direkte Voraussetzung für strukturierte Datenarchivierung.
Wie sicher ist der Datenaustausch in Datenräumen? Datenräume wurden für den Datenaustausch unter Wettbewerbern und Lieferketten-Partnern entwickelt – Sicherheit ist ein Kernelement. Technisch basiert die Sicherheit auf drei Säulen: Identitätsmanagement (nur zertifizierte Teilnehmer dürfen beitreten), Zugriffsverhandlung (jeder Abruf wird bilateral zwischen Dateninhaber und Datennutzer verhandelt und protokolliert) und technische Durchsetzung (Datennutzungsregeln werden durch den Konnektor erzwungen, nicht nur vertraglich vereinbart).
Was bedeutet Datensouveränität in der Praxis? Datensouveränität bedeutet, dass ein Unternehmen die Hoheit über seine Daten behält, auch wenn es sie teilt. Praktisch: Der Dateninhaber legt fest, wer auf welche Daten unter welchen Bedingungen und für welchen Zweck zugreifen darf. Diese Bedingungen werden im Konnektor technisch durchgesetzt. Der Datennutzer kann die Daten nicht einfach weiterleiten, nicht für andere Zwecke verwenden und nicht über den definierten Zeitraum hinaus speichern – es sei denn, der Dateninhaber erlaubt es explizit.
Wann kommt Manufacturing-X in die Breitenanwendung? Manufacturing-X befindet sich 2025 in der Pilotphase, gefördert durch das Bundeswirtschaftsministerium und die Plattform Industrie 4.0. Erste produktive Use Cases in Bereichen wie Maschinenauslastung, Energiemonitoring und Wartungsoptimierung laufen in ausgewählten Konsortien. Die Breitenwirkung wird für 2027/28 erwartet. Wer 2025/26 mit Piloten beginnt, wird zum Rollout-Zeitpunkt bereit sein.
Was kostet der Einstieg in Catena-X? Die Teilnahme setzt sich zusammen aus: Onboarding bei einem Betreiber wie Cofinity-X (einmalig + laufend), Implementierung eines Datenraum-Konnektors (Eigenhosting oder Managed Service), Use-Case-spezifische Apps aus dem Marktplatz sowie interne IT- und Prozesskosten für die Datenintegration. Cofinity-X bietet seit 2024 vereinfachte Pakete für KMU. Genaue Kosten variieren stark nach Unternehmensgröße und Use-Case-Komplexität.

 

Datenraum-ready werden fängt mit der Datenbasis an.

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Korbinian Hermann
CEO, CSP Intelligence GmbH
Korbinian Hermann gründete CSP mit dem Ziel, Fertigungsunternehmen die Datenbasis zu geben, die sie im Ernstfall brauchen. 20 Jahre Erfahrung in industrieller Qualitätsdaten-Infrastruktur – von der Datenerfassung bis zur revisionssicheren Langzeitarchivierung.
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