Dabei ist sie alles andere als das – sie ist ein strategisches Thema. Gerade im Qualitätsmanagement entscheidet sie darüber, ob ein Werk langfristig flexibel, auditfest und innovationsfähig bleibt – oder still und teuer in Abhängigkeiten festwächst.
Ein typisches Muster sieht so aus: Werkzeug vom Hersteller, Prüfstand vom gleichen Hersteller, Auswertesoftware ebenfalls vom gleichen Hersteller. Klingt bequem, weil alles aus einer Hand kommt. Kurzfristig spart das Integrationsaufwand, langfristig entsteht jedoch ein harter Vendor-Lock-in.
Das Problem beginnt bei der Flexibilität. Sobald neue Features benötigt werden – neue Analyseverfahren, neue KI-Methoden oder neue Reportingformen – ist man vom Roadmap-Tempo genau dieses Herstellers abhängig. Gibt es das Feature nicht, gibt es keine Alternative. Der Austausch einzelner Komponenten wird teuer oder unmöglich, weil Datenformate, Schnittstellen und Logiken proprietär sind.
Der zweite Punkt ist die Verhandlungsmacht. Wer die komplette Kette bei einem Anbieter bündelt, verliert sie faktisch. Preise für Lizenzen, Service und Erweiterungen entstehen dann nicht mehr im Wettbewerb, sondern im Bestand. Technische Abhängigkeit wird schnell zur wirtschaftlichen.
Der dritte Punkt ist die Datensouveränität. Wenn Messung, Bewertung und Interpretation aus demselben Ökosystem kommen, fehlt oft die unabhängige zweite Sicht. Eine gute QMS-Strategie trennt Erfassung, Speicherung und Bewertung. Rohdaten müssen offen, nachvollziehbar und langfristig nutzbar sein. Qualität braucht Reproduzierbarkeit – nicht nur Statusanzeigen.
Ein weiterer, oft unterschätzter Aspekt: Daten sollten nicht vom Hardwarehersteller „mitverwaltet“ werden, sondern von einem starken, spezialisierten Softwarepartner. Hardwarefirmen bauen gute Geräte. Softwarefirmen bauen gute Datenplattformen. Beides ist selten gleichzeitig exzellent. Wer Qualitätsdaten strategisch nutzen will, sollte sie in eine herstellerneutrale Softwareebene überführen lassen, die genau dafür gebaut ist: Integration, Normalisierung, Plausibilisierung, Langzeitarchivierung und herstellerübergreifende Auswertung.
Was stattdessen sinnvoll ist:
Herstellerunabhängigkeit bedeutet nicht, dass man keine Komplettlösungen mehr einsetzen darf. Aber sie müssen so eingebunden sein, dass sie ersetzbar bleiben. Architektur vor Produkt. Datenmodell vor Tool. Schnittstelle vor Komfort.
Herstellerunabhängigkeit ist kein „Nice to have“ mehr. Sie ist Voraussetzung für belastbare Qualität, echte Innovationsfähigkeit und gesunde Verhandlungsmacht. Hersteller können Partner sein – aber niemals die einzige Option.